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Stundensatz berechnen als Freelancer — Schritt für Schritt

So berechnest du deinen Freelancer-Stundensatz realistisch. Mit Formel, Rechenbeispiel und typischen Sätzen nach Branche.

Pascal Jordin 14.04.2026 9 Min. Lesezeit
Stundensatz berechnen als Freelancer — Schritt für Schritt

Der häufigste Fehler bei Freelancer-Stundensätzen

"Ich habe im Angestelltenverhältnis 3.500 € brutto verdient. Das sind bei 160 Stunden etwa 22 € pro Stunde. Also nehme ich 25 € — mit etwas Aufschlag."

Diesen Denkfehler machen erschreckend viele Selbstständige. Und er kann dein Business ruinieren.

Denn als Angestellter zahlt dein Arbeitgeber zusätzlich: Krankenversicherung, Rentenversicherung, Urlaub, Feiertage, Krankheitstage, Equipment, Büro, Weiterbildung. Das verdoppelt die tatsächlichen Kosten ungefähr.

Ein Stundensatz von 25 € als Freelancer entspricht einem Bruttogehalt von weit unter 2.000 € — inklusive aller Risiken und ohne bezahlten Urlaub.

Die Formel: So berechnest du deinen Stundensatz

Die Formel ist einfach:

Stundensatz = (Kosten + Gewinn) ÷ Abrechenbare Stunden pro Jahr

Drei Variablen, ein Ergebnis. Kosten sind alles, was pro Jahr vom Konto geht — Lebenshaltung, Betriebsausgaben, Steuern, Vorsorge. Gewinn ist dein Aufschlag für Rücklagen und Wachstum (10–20 %). Abrechenbare Stunden sind die Stunden, die du wirklich in Rechnung stellst — nicht alle, die du arbeitest. Lass uns das Schritt für Schritt durchrechnen.

Schritt 1: Deine jährlichen Kosten berechnen

Persönliche Kosten (was du zum Leben brauchst)

PositionMonatlichJährlich
Miete950 €11.400 €
Lebensmittel400 €4.800 €
Krankenversicherung850 €10.200 €
Altersvorsorge400 €4.800 €
Mobilität200 €2.400 €
Versicherungen (privat)100 €1.200 €
Freizeit & Sonstiges300 €3.600 €
Summe3.200 €38.400 €

Die 850 € Krankenversicherung sind bewusst realistisch angesetzt. Wer 2026 freiwillig gesetzlich versichert ist und zwischen 50.000 und 60.000 € Gewinn macht, zahlt typischerweise 650 bis 900 € pro Monat für Kranken- und Pflegeversicherung zusammen. Der Beitragssatz liegt bei 17,5 % (14,6 % plus 2,9 % Zusatzbeitrag) plus 3,6–4,2 % Pflegeversicherung.

Die 400 € Altersvorsorge entsprechen grob der Faustregel 10–15 % vom Gewinn zurücklegen. Weniger, und du riskierst Altersarmut — das ist kein Bauchgefühl, sondern eine belegbare Lücke, sobald du nicht mehr arbeiten kannst oder willst.

Betriebliche Kosten (was dein Business braucht)

PositionMonatlichJährlich
Büro/Co-Working200 €2.400 €
Software & Tools100 €1.200 €
Telefon & Internet50 €600 €
Versicherung (Haftpflicht)30 €360 €
Steuerberater150 €1.800 €
Hardware (Rücklage)80 €960 €
Weiterbildung50 €600 €
Marketing & Akquise50 €600 €
Summe710 €8.520 €

Steuern

Auf deinen Gewinn zahlst du Einkommensteuer. Bei 50.000 € Gewinn sind das ca. 12.000–14.000 € (inkl. Soli, ohne Kirchensteuer).

Gesamtkosten

Persönlich:     38.400 €
Betrieblich:     8.520 €
Steuern:        13.000 €
─────────────────────────
Gesamt:         59.920 €

Schritt 2: Abrechenbare Stunden berechnen

Hier wird es für die meisten überraschend:

365 Tage im Jahr
- 104 Wochenenden
-  10 Feiertage
-  25 Urlaubstage
-  10 Krankheitstage
-   5 Weiterbildungstage
═══════════════════════
= 211 Arbeitstage

Bei 8 Stunden pro Tag = 1.688 Stunden Arbeitszeit.

Aber: Nicht alle Stunden sind abrechenbar. Du verbringst Zeit mit Akquise, Verwaltung, E-Mails, Angeboten und dem ganzen Drum-und-Dran. Der Freelancer-Kompass quantifiziert das: durchschnittlich 5 unvergütete Stunden pro Woche gehen für Akquise und Verwaltung drauf.

Die abrechenbare Quote für Solo-Freelancer liegt typischerweise bei 60–70 %.

1.688 Stunden × 65 % = 1.097 abrechenbare Stunden

Runden wir auf 1.100 Stunden pro Jahr.

Schritt 3: Stundensatz berechnen

59.920 € ÷ 1.100 Stunden = 54,47 €

Plus Gewinn (mindestens 10–20 % für Rücklagen und Wachstum):

54,47 € × 1,15 = 62,64 €

Dein Mindeststundensatz: ca. 63 €

Und das ist der Mindest-Satz. Für einen angemessenen Lebensstandard in einer Großstadt, mit Altersvorsorge und etwas Puffer. Alles darunter zehrt an Rücklagen, Gesundheit oder Rente.

Zu kompliziert im Kopf? Nutze unseren Stundensatz-Kalkulator — 30 Sekunden, ohne Anmeldung. Eingaben anpassen, Ergebnis sofort.

Typische Stundensätze nach Branche (2026)

Der durchschnittliche Stundensatz in Deutschland liegt 2026 bei rund 101,70 € — nach 104 € im Freelancer-Kompass 2025 eine leichte Stagnation, während die Kosten weiter steigen. Zwischen Branchen und Erfahrungsstufen gibt es aber große Spreizung:

BrancheEinsteigerErfahrenSenior/Spezialist
Webentwicklung65–80 €80–110 €110–150 €
IT-Consulting80–100 €100–140 €140–200 €
SAP / Java / spezielle Stacks90–110 €110–145 €145–210 €
Design/UX60–75 €75–100 €100–140 €
Texterin/Texter50–65 €65–90 €90–120 €
Marketing/SEO60–80 €80–110 €110–150 €
Beratung/Coaching80–100 €100–150 €150–250 €
Fotografie50–70 €70–100 €100–150 €

Einordnung nach Freelancer-Kompass 2025/2026:

  • IT-Freelancer: 105 €/Stunde im Durchschnitt
  • Grafik, Content, Marketing: ca. 82 €/Stunde
  • Coaching: ca. 116 €/Stunde
  • Recht und Personalmanagement: 115,82 €/Stunde
  • Einkauf und Logistik: 118,81 €/Stunde (höchster Cluster)

Das monatliche Einkommen aus Projektarbeit liegt im DACH-Raum bei durchschnittlich 8.022 € — ein guter Benchmark, um deinen eigenen Satz einzuordnen.

Diese Zahlen sind Richtwerte. Dein Standort (München und Hamburg zahlen anders als Thüringen), deine Spezialisierung und dein Kundenstamm beeinflussen den tatsächlichen Satz spürbar.

Stundensatz vs. Tagessatz vs. Projektpreis

Stundensatz

  • Vorteile: Transparent, flexibel, fair bei Scope-Änderungen
  • Nachteile: Belohnt Langsamkeit, Kunden haben Angst vor offenen Kosten
  • Geeignet für: Wartung, Support, Beratung

Tagessatz

  • Vorteile: Einfach zu kalkulieren, professioneller Eindruck
  • Berechnung: Stundensatz × 8 (abzüglich 5–10 % "Mengenrabatt")
  • Geeignet für: Workshops, Vor-Ort-Einsätze, Projektarbeit

Projektpreis

  • Vorteile: Kunde weiß vorher die Kosten, du profitierst von Effizienz
  • Berechnung: Geschätzte Stunden × Stundensatz × 1,2 (Risikopuffer)
  • Geeignet für: Klar definierte Projekte, Webdesign, Entwicklung

Mein Tipp: Arbeite mit Stundensätzen für die interne Kalkulation, biete dem Kunden aber Pauschalpreise an. So hast du Planungssicherheit, der Kunde weiß, was es kostet, und Scope-Diskussionen werden seltener.

5 Gründe, warum du zu wenig verlangst

1. Imposter-Syndrom

"So gut bin ich doch gar nicht." — Doch, bist du. Wenn Kunden dich buchen und zufrieden sind, ist dein Stundensatz angemessen. Wahrscheinlich sogar zu niedrig.

2. Vergleich mit Angestelltengehalt

Wie oben gezeigt: 60 € Stundensatz als Freelancer ≠ 60 € × 160 = 9.600 € Monatsgehalt. Eher die Hälfte nach allen Abzügen. Faustregel für den Vergleich: altes Bruttomonatsgehalt geteilt durch 160, mal 2 — das ist der erste Orientierungswert für einen Freelancer-Satz, der sich rechnet.

3. Angst vor Ablehnung

Manche Kunden sagen nein. Das ist okay. Wenn nie jemand nein sagt, ist dein Preis zu niedrig.

4. Fehlende Zahlen

Ohne Zeiterfassung weißt du nicht, wie viele Stunden du wirklich arbeitest. Und ohne Kostenübersicht weißt du nicht, was du brauchst. Tracking ist die Basis für faire Preise. Die 65 % abrechenbare Quote ist ein Durchschnitt — deiner kann bei 55 % oder 75 % liegen, und das macht im Stundensatz 10–20 € Unterschied.

5. Marktvergleich nach unten

Es gibt immer jemanden, der billiger ist. Aber du konkurrierst nicht mit dem billigsten Anbieter — du konkurrierst mit deiner Qualität und Zuverlässigkeit. Der Freelancer-Kompass 2025 zeigt: der Gender Pay Gap ist auf 3 % gesunken. Preis-Selbstbewusstsein lohnt sich.

So erhöhst du deinen Stundensatz

  1. Für Neukunden sofort: Jeder neue Kunde bekommt den neuen Satz
  2. Für Bestandskunden: Ankündigung mit 3 Monaten Vorlauf, Begründung liefern
  3. Jährlich prüfen: Inflation, neue Skills, mehr Erfahrung = höherer Satz
  4. Spezialisierung: Generalisten verdienen weniger als Spezialisten. Positioniere dich.

Zeiterfassung als Basis für deinen Stundensatz

Du kannst deinen Stundensatz nur richtig berechnen, wenn du weißt:

  • Wie viele Stunden du wirklich arbeitest (nicht wie viele du schätzt)
  • Wie viele davon abrechenbar sind (die 65 % sind ein Durchschnitt — deiner kann anders sein)
  • Welche Projekte profitabel sind (und welche du besser absagen solltest)

All das liefert dir eine konsequente Zeiterfassung. Ohne sie rätst du — und Raten ist keine Business-Strategie.

Fazit

Dein Stundensatz ist keine Frage des Gefühls — es ist eine Kalkulation. Nimm dir 30 Minuten, rechne deine Kosten durch, und du weißt, was du mindestens verlangen musst. Branchensätze zwischen 60 € und 200 € sind 2026 Realität, aber nur, wenn du deine Zahlen kennst.

Die Kurzformel zum Merken:

(Lebenshaltung + Betriebskosten + Steuern + Gewinn) ÷ 1.100 = Dein Stundensatz

TL;DR

Dein Freelancer-Stundensatz ist keine Gefühlsentscheidung, sondern eine Rechnung: Gesamtkosten (Lebenshaltung + Betrieb + Steuern + Vorsorge) plus Gewinn, geteilt durch die realistisch abrechenbaren Stunden (typisch 1.070–1.120 pro Jahr). Der häufigste Fehler ist, Stundensatz mit Angestelltenlohn gleichzusetzen — als Selbstständiger trägst du Krankenversicherung, Rente, Urlaub und Ausfallzeiten selbst, das verdoppelt die Kostenbasis. Branchensätze 2026 liegen zwischen 60 € (Einsteiger Texter) und 200 € (IT-Consulting Senior). Arbeite intern mit Stundensätzen, biete Kunden aber Pauschalpreise — so hast du Planungssicherheit.

FAQ

Wie berechne ich meinen Stundensatz als Freelancer?

Stundensatz = (Gesamtkosten pro Jahr + Gewinn) ÷ abrechenbare Stunden pro Jahr. Gesamtkosten umfassen Lebenshaltung, Betriebskosten, Steuern und Altersvorsorge. Abrechenbare Stunden liegen typischerweise bei 1.070–1.120 pro Jahr — also deutlich weniger als die reine Arbeitszeit von 1.688 Stunden.

Was ist der durchschnittliche Stundensatz für Freelancer in Deutschland 2026?

Der Durchschnitt liegt 2026 bei etwa 101,70 €, mit starker Branchenvarianz: IT-Freelancer erreichen 105 €, Grafik- und Marketing-Freelancer 82 €, Coaching 116 € und Einkauf/Logistik 118 €. Einsteiger liegen je nach Branche bei 50–80 €, Senior-Spezialisten bei 110–250 €.

Wie viele abrechenbare Stunden hat ein Freelancer pro Jahr?

Realistisch sind 1.070–1.120 abrechenbare Stunden pro Jahr. Rechnung: 365 Tage minus Wochenenden, Feiertage, Urlaub, Krankheit und Weiterbildung ergeben rund 211 Arbeitstage. Bei 8 Stunden pro Tag sind das 1.688 Stunden Arbeitszeit — davon etwa 60–70 % tatsächlich abrechenbar, weil Akquise, Verwaltung und E-Mails Zeit fressen.

Warum sollte mein Freelancer-Stundensatz nicht an meinem alten Bruttogehalt orientiert sein?

Weil dein Arbeitgeber zusätzlich rund 100 % auf dein Bruttogehalt aufschlägt: Krankenversicherung, Rentenversicherung, bezahlter Urlaub, Feiertage, Krankheitstage, Ausstattung, Büro, Weiterbildung. Als Selbstständiger trägst du all das selbst, zusätzlich zum unternehmerischen Risiko. Faustregel: Bruttomonatslohn geteilt durch 160 Stunden, mal 2, ergibt einen ersten Orientierungswert.

Stundensatz oder Tagessatz — was ist besser für Freelancer?

Für die interne Kalkulation ist der Stundensatz präziser. Für Kunden wirkt ein Tagessatz oder Pauschalpreis oft professioneller und reduziert Scope-Diskussionen. Faustregel: Tagessatz = Stundensatz × 8 (abzüglich 5–10 % Mengenrabatt). Pauschalpreis = geschätzte Stunden × Stundensatz × 1,2 Risikopuffer.

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