Wave Alternative DSGVO-konform — EU-Server statt US-Cloud
Wave sitzt in Kanada, gehört einem US-Konzern. Für DSGVO-bewusste Selbstständige gibt es Alternativen mit EU-Hosting und § 14 UStG-Rechnungen.

Wave ist ein bekanntes Rechnungstool aus Toronto. Lange galt es als komplett kostenlos — seit 2025 stimmt das nicht mehr. Für Selbstständige in Deutschland kommen zwei weitere Probleme dazu: Wave-Rechnungen erfüllen nicht automatisch § 14 UStG, und der US-Mutterkonzern H&R Block wirft DSGVO-Fragen auf, die mit dem bloßen Serverstandort nicht gelöst sind.
Wave 2025: Das Ende der vollen Kostenlos-Ära
Wave Financial Inc. hat 2025 das Preismodell umgestellt. Vorher war praktisch alles kostenlos, heute gibt es zwei Stufen:
- Starter Plan: kostenlos, mit Rechnungen, Belegerfassung und manueller Buchhaltung
- Pro Plan: 16 USD pro Monat, mit automatischem Bankkonten-Import, Zahlungsabwicklung und erweiterten Funktionen
Die bisher beliebteste Funktion — der automatische Bank-Feed — ist seit 2025 nicht mehr im Gratis-Plan enthalten. Wer Transaktionen ohne Pro-Upgrade nutzen will, muss sie manuell erfassen. Dazu kommen Transaktionsgebühren von 2,9 Prozent plus 0,60 USD bei Kartenzahlung und 1 Prozent bei Banküberweisung.
Das Preis-Argument schwächelt also. Und selbst wenn du den Starter Plan nutzt: die anderen Probleme bleiben.
Kanada, USA, Konzernstruktur: Wo liegen deine Daten wirklich?
Wave hat seinen Hauptsitz in Toronto. Kanada hat seit 2001 einen Angemessenheitsbeschluss der EU-Kommission — Datenübermittlung nach Kanada ist also grundsätzlich DSGVO-konform. Das klingt erst mal entspannt.
Der Haken: Wave gehört seit 2019 zum US-Konzern H&R Block Inc. Damit fällt Wave mindestens teilweise unter US-Recht. Der CLOUD Act von 2018 erlaubt US-Behörden, auf Daten zuzugreifen, die US-Unternehmen weltweit verarbeiten — auch wenn die Server in Kanada oder der EU stehen.
Für dich als Selbstständige bedeutet das: Ein Serverstandort-Check reicht nicht. Entscheidend ist auch, wem das Unternehmen gehört und welchem Rechtsraum es unterliegt.
DSGVO, Schrems II und das Data Privacy Framework
Kurzer Stand der Dinge im April 2026:
- Schrems II (16.07.2020): Der EuGH erklärte das Privacy Shield für ungültig. US-Datentransfers wurden rechtlich hoch riskant.
- EU-US Data Privacy Framework (DPF): Seit 10.07.2023 neuer Mechanismus für Datentransfers in die USA.
- DPF-Zertifizierung: Firmen müssen sich aktiv auf dataprivacyframework.gov eintragen. Wave steht dort nicht.
- General Court der EU (09/2025): Das DPF überlebte die erste Klage. Max Schrems und noyb planen eine weitere Klage vor dem EuGH — inoffiziell "Schrems III" genannt.
Konkret heißt das: Wer heute Wave einsetzt und personenbezogene Daten deutscher Kunden dort verarbeitet, braucht streng genommen einen Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO und ein Transfer Impact Assessment — und muss damit leben, dass die rechtliche Grundlage jederzeit wieder kippen kann.
Wave vs. SaaS Rebels — DSGVO und Rechnungsrecht
Direktvergleich auf den sieben kritischen Kriterien
| Kriterium | Wave Starter | SaaS Rebels Rebel |
|---|---|---|
| Serverstandort | Kanada / USA | Deutschland |
| Unternehmenssitz | Kanada (H&R Block US) | Deutschland |
| AVV nach Art. 28 DSGVO | Unklar | Ja |
| DPF-Zertifizierung | Nein | Nicht erforderlich |
| Oberfläche | Englisch | Deutsch |
| § 14 UStG-Pflichtangaben | Manuell | Automatisch |
| Preis pro Monat | 0 € (Starter) | 4,99 € |
§ 14 UStG: Das Pflichtangaben-Problem
Eine Rechnung in Deutschland muss nach § 14 UStG konkrete Angaben enthalten:
- Name und Anschrift von dir und deinem Kunden
- Deine Steuernummer oder USt-IdNr.
- Rechnungsdatum
- Eine fortlaufende, einmalige Rechnungsnummer
- Menge und Art der Leistung
- Leistungszeitpunkt oder Leistungszeitraum
- Nettobetrag, Steuersatz, Steuerbetrag, Bruttobetrag
- Bei Kleinunternehmerregelung: Hinweis auf § 19 UStG
Wave kennt diese Anforderungen nicht. Die Software ist für den nordamerikanischen Markt gebaut — dort gelten andere Regeln. Du musst jede Wave-Rechnung manuell prüfen, ob wirklich alle Pflichtangaben korrekt sind.
Wenn etwas fehlt, kann das teuer werden: Bei formfehlerhaften Rechnungen kann dein Kunde den Vorsteuerabzug verlieren — und dich anschließend anrufen. Bei falschem Steuerausweis greift § 14c UStG: Du schuldest die ausgewiesene Steuer, auch wenn sie gar nicht hätte ausgewiesen werden dürfen.
Was Wave wirklich bietet
| Feature | Wave Starter (kostenlos) | Wave Pro (16 USD/Monat) |
|---|---|---|
| Rechnungen | Ja (englisch) | Ja (englisch) |
| Bank-Feed automatisch | Nein (seit 2025) | Ja |
| Zahlungsabwicklung | Nein | Ja (mit Gebühren) |
| Buchhaltung | Ja (manuell, US-Standard) | Ja |
| Belegerfassung | Ja | Ja |
| Zeiterfassung | Nein | Nein |
| CRM | Nein | Nein |
| Deutsche Pflichtangaben | Manuell | Manuell |
| Oberfläche | Englisch | Englisch |
| Unternehmenssitz | Kanada (H&R Block US) | Kanada (H&R Block US) |
SaaS Rebels: EU von Anfang an
SaaS Rebels ist bewusst als europäische Alternative gebaut:
- Hosting: Hetzner Cloud, Rechenzentren in Deutschland und Finnland
- Datenbank: Supabase, EU-Region Frankfurt
- Authentifizierung: Auth0, EU-Region Frankfurt
- Unternehmenssitz: Deutschland, damit deutschem Recht unterworfen
- AVV-ready: Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO auf Anforderung
- Kein Drittland-Transfer: Deine Daten verlassen die EU nicht
Der Unterschied zu "US-Tool mit EU-Server" liegt im Rechtsraum: Ein deutsches Unternehmen unterliegt nicht dem CLOUD Act. Dadurch fallen die Transfer-Risiken auf einen Schlag weg.
Feature-Vergleich im Alltag
| Kriterium | Wave Starter (kostenlos) | SaaS Rebels Rebel (4,99 €/Monat) |
|---|---|---|
| Rechnungen | Englisch | Deutsch |
| § 14 UStG automatisch | Nein | Ja |
| Kleinunternehmer-Hinweis | Manuell | Automatisch |
| Zeiterfassung | Nein | Ja |
| CRM | Nein | Ja |
| Aufgaben | Nein | Ja |
| Budget | Nein | Ja |
| Notizen | Nein | Ja |
| Buchhaltung | Ja (US-Standard) | Bewusst nicht inkl. |
| Oberfläche | Englisch | Deutsch |
| Server | Kanada/USA | Deutschland |
| Unternehmenssitz | Kanada (H&R Block US) | Deutschland |
| Preis | 0 € | 4,99 €/Monat |
Kostenlos ist nicht immer günstiger
Wave ist im Starter Plan kostenlos — aber zu welchem Preis?
- Zeitaufwand für Übersetzung: Englische Rechnungen an deutsche Kunden führen zu Rückfragen. Du erklärst oder übersetzt jedes Mal.
- Pflichtangaben manuell nachtragen: Jede Wave-Rechnung braucht einen Check, ob § 14 UStG erfüllt ist. Bei 20 Rechnungen im Monat sind das 30 Minuten, die du sonst fakturieren könntest.
- DSGVO-Aufwand: Transfer Impact Assessment, AVV-Dokumentation, Datenschutzerklärung anpassen — realistisch 2 bis 3 Stunden Einmalaufwand.
- Kein deutschsprachiger Support: Wenn etwas nicht funktioniert, kommunizierst du auf Englisch mit einer kanadischen Firma.
Auf Jahresbasis sind das leicht 15 bis 20 Stunden Mehraufwand. Bei einem Stundensatz von 60 EUR bedeutet das: Die "kostenlose" Wave kostet dich versteckte 900 bis 1.200 EUR pro Jahr.
SaaS Rebels für 4,99 EUR im Monat sind 49 EUR pro Jahr. Die Rechnung geht schnell auf.
Migration von Wave in unter einer Stunde
Der Wechsel ist unkompliziert:
- Kundendaten exportieren aus Wave (CSV oder PDF)
- Kunden anlegen in SaaS Rebels — einmalig, danach wiederverwendbar
- Rechnungseinstellungen konfigurieren: Steuernummer, Bankdaten, Logo, Fußzeile
- Erste Rechnung erstellen — sofort mit allen Pflichtangaben, auf Deutsch
Deine historischen Wave-Rechnungen bleiben als PDF-Archiv erhalten. Für neue Rechnungen nutzt du ab sofort SaaS Rebels. Keine Datenmigration notwendig, kein Buchungsbestand, der übernommen werden muss.
Für wen ist der Wechsel sinnvoll?
Wechsle zu SaaS Rebels, wenn du:
- Deutsche oder EU-Kunden hast
- Einen sauberen DSGVO-Status willst, ohne monatelange Recherche
- Deutsche Rechnungen nach § 14 UStG brauchst
- Zeiterfassung, CRM, Aufgaben oder Budget zusätzlich nutzen willst
- Für 4,99 EUR pro Monat mehr Tools, Sprache und Rechtssicherheit bekommen willst als bei Wave gratis
Bleib bei Wave, wenn du:
- Hauptsächlich US- oder kanadische Kunden hast
- Englisch im Business sowieso Standard ist
- Buchhaltung nach US-GAAP brauchst
- Auf jeden Cent achten musst und den Zeitaufwand gerne investierst
TL;DR
Wave ist ein kanadisches Rechnungstool, das seit 2025 nur noch mit Einschränkungen kostenlos ist. Für Selbstständige in Deutschland entstehen drei konkrete Risiken: der US-Mutterkonzern H&R Block und der CLOUD Act, fehlende § 14 UStG-Pflichtangaben und eine ausschließlich englische Oberfläche. Die pragmatische Alternative: ein EU-basierter Anbieter mit deutscher Rechnung und AVV nach Art. 28 DSGVO — zum Beispiel SaaS Rebels für 4,99 EUR pro Monat.
FAQ
Ist Wave in Deutschland DSGVO-konform nutzbar?
Wave sitzt in Kanada (Angemessenheitsbeschluss seit 2001), gehört aber dem US-Konzern H&R Block. Für den rechtssicheren Einsatz brauchst du einen Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO und ein Transfer Impact Assessment nach Schrems II. Das Data Privacy Framework hat im September 2025 die erste Klage überlebt, bleibt aber durch eine drohende Schrems-III-Klage angreifbar.
Was hat sich 2025 bei Wave geändert?
Wave hat das Preismodell umgestellt. Der Starter Plan bleibt kostenlos für Rechnungen und manuelle Buchhaltung, aber der automatische Bankkonten-Import und die Zahlungsabwicklung kosten seit 2025 im Pro Plan 16 USD pro Monat. Komplett kostenlos arbeiten funktioniert nur noch mit Einschränkungen.
Erfüllen Wave-Rechnungen § 14 UStG?
Nein, nicht automatisch. Wave ist für den nordamerikanischen Markt gebaut. Steuernummer, fortlaufende Rechnungsnummer, korrekter Steuerausweis und der Hinweis auf die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG musst du manuell hinterlegen oder in jeder Rechnung ergänzen.
Was ist der Unterschied zwischen EU-Server und EU-Anbieter?
Ein EU-Serverstandort schützt technisch vor Latenz und erfüllt die räumliche DSGVO-Anforderung. Ein EU-Anbieter mit Sitz in Europa unterliegt zusätzlich europäischem Recht — das ist wichtig, weil der CLOUD Act der USA auf Daten zugreifen kann, die US-Firmen verarbeiten, auch wenn die Server in Frankfurt stehen.
Welche Daten speichert Wave konkret?
Wave speichert Kundendaten (Name, Anschrift, Steuernummer), deine Rechnungsbeträge, Zahlungseingänge, Banktransaktionen und deine eigenen Geschäftskontaktdaten. Alles davon sind personenbezogene oder geschäftsrelevante Daten im Sinne der DSGVO und damit relevant für die Prüfung eines Datentransfers.
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